Ist der Dichter ganz dicht?…

Günter Grass (Foto: Christoph Müller-Girod /CC BY-ND 2.0)

Foto: Christoph Müller-Girod /CC BY-ND 2.0

…fragen sich ganz viele in der deutschen Öffentlichkeit, nachdem Günter Grass ein Gedicht zum Verhältnis Israel-Iran verfasst hat. Die Taz unterstellt ihm Unaufrichtigkeit. Der israelische Gesandte will im Namen seiner Botschaft die Rolle nicht übernehmen, die  „Günter Grass uns bei der Vergangenheitsbewältigung des deutschen Volkes zuweist“. Wolfgang Gehrke von der LINKEN sagt, Grass habe Recht und stößt mit Sicherheit auf geteilte Meinungen innerhalb der Partei. Und der Landesvorsitzende von Sachsen Anhalt, Matthias Höhn, sagt dazu:

1. Was hier zu einem längst überfälligen „mutigen“ Tabubruch stilisiert wird, nämlich Israel zum Kriegstreiber zu erklären, ist deutscher/publizistischer Alltag – leider. (Das ZDF widmete dieser Botschaft kürzlich 45 Minuten.)

2. Die Tatsache, wer hier diesen angeblichen Tabubruch praktiziert, halte ich immer noch für eine Zumutung.

3. Dass meine Partei genauso wie Grass Israel unterstellt, es wolle das iranische Volk „auslöschen“, macht mich atemlos.

4. Es ist kein Zeichen von „Verbundenheit“, staatlichen Antisemitismus zum „Maulheldentum“ einzelner zu machen, sondern das Gegenteil.

5. Die immer wieder vorgetragene Unterstellung, israelische Politik dürfe angeblich nicht kritisiert werden, bedient antisemitsiche Ressentiments.«

Kommentare aus der FAZ und bei Publikative

Ashton vergreift sich völlig im Vergleich

Die EU-„Aussenministerin“ Ashton verglich die Terrorakte gegen jüdische Schulen in Toulouse mit getöteten Kindern im Gazastreifen. Antisemitischer Reflex und politische Relativierung können ihr vorgeworfen werden.

Der Chef der SPD spricht im Zusammenhang mit Israel von einem Apartheidsregime, der iranische Präsident Ahmadinedschad leugnet im deutschen Fernsehen den Holocaust – und die EU-Außenbeauftragte Ashton missbraucht die Opfer des Anschlags auf eine jüdische Schule in Frankreich, um Israel auf die Ebene des Staatsterrorismus zu ziehen. Europa – ganz alt.“ 

Dazu der Beitrag von Publikative.org.

Echte deutsche Volkspartei

Nachdem SPD-Mann Sarrazin die Überlegenheit gegenüber Muslimen biologisch begründete und damit rassistische Ressentiments bedient hat, greift nun der Parteivorsitzende persönlich zur Anti-Israel-Keule und spricht vom Apartheid-Regime, um neue Wählergruppen anzusprechen. Die Reaktionen sind entsprechend empört.

Das Antizionismus-Problem der SPD: Helmut Schmidt – ein Kommentar vom Dezember 2011

Ist also Israel ein Apartheidstaat, wie es Gabriel meint?

Finkelstein zetert, Verwirrung und Empörung unter den Israelkritikern

Die Anti-Israel-Front, zu der sich ja immer auch Teile der Linken bekennen, bröckelt. Norman Finkelstein, der in der Szene über eine gewisse Reputation verfügt, rechnet mit der Israel-Boykottbewegung ab (»albern, kindisch, linkes Getue«) und stellt die längst überfällige Frage: »Wollt ihr den Konflikt lösen oder Schrecken im Herzen jedes Israelis säen?« Mit dieser Kritik aus den eigenen Reihen, die die ganze Unsinnigkeit der Aktionen noch einmal vor Augen führt, könnte Bewegung in die Doktrin der unsäglichen Organisation kommen. Diese Art von Selbstreflexion war man aus dieser Ecke gar nicht gewohnt. Zu hoffen ist, das sich die Akteure des Boycott, Divest, Sanction (BDS) diese moralische Bankrotterklärung auch zu Herzen nehmen und die erforderlichen Konsequenzen ziehen. Mehr Lesen