Kahrs Wahlauswertung

Horst Kahrs von der Rosa Luxemburg Stiftung hat auf der 
Hauptversammlung am vergangenen Sonnabend einen Diskussionsbeitrag zur Auswertung der Wahlen gehalten, der großes Interesse bei vielen Teilnehmenden geweckt
hat. Wir hatten Horst daraufhin gebeten, seinen Beitrag schriftlich zur
Verfügung zu stellen.

Hier ist er nun der Beitrag. Wir wünschen Euch eine anregende
Auseinandersetzung.

Karstens ungehaltene Rede zur Kandidatur zum Bundesvorsitz

Ungehaltene Rede zur Kandidatur für den Bundesvorsitz der Partei Die Linke beim 3. Parteitag
Göttingen, 1. Tagung

Linke für andere


Den wenigen, die mich nicht kennen, möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Karsten Krampitz. Ich bin in der BO Valentin in Pankow organisiert. Pankow liegt in Berlin. Ich kandidiere für den Bundesvorsitz der Linken. Ich bin 42 Jahre alt. Von Beruf Statistiker, Betriebswirt, Historiker und freier Autor.

Zur Sache:
Der römische Geschichtsschreiber Sallust schrieb einst im „Βellum Iugurthinum“: „aut quem alienum fidum invenis, si tuis hostis fueris?“ Ich weiß, der Politiker Sallust ist in der Linken umstritten, dennoch will ich dieses Zitat meiner Rede voranstellen:
„Welchen Fremden wirst du gewinnen, wenn du den Deinen ein Feind bist?“
In unserer Partei bin ich Mitglied geworden, in erster Linie aus Unzufriedenheit über die Politik der CDU, SPD und FDP. Um an deren Politik konkret etwas zu ändern, hätte ich wohl besser dort eintreten sollen? Von der Basis in Pankow aus kann ich das immer sehr gut beobachten: diese unglaubliche Energieverschwendung. Ich muss das jetzt nicht konkret benennen, um wen es geht. In der Regel kämpfen die Guten gegen die Gerechten. Das Ergebnis sehen wir. Vielleicht ist es an der Zeit, ein paar Selbstverständlichkeiten wieder ins Gedächtnis zu rufen:
– Aufgabe der Partei ist es zuerst, die Schwachen stark zu machen; dabei zu helfen, dass in unserem Land so viele arme Leute wie möglich ein halbwegs anständiges Leben führen
können. (Hartz IV-Empfänger, Behinderte, Flüchtlinge usw. )
– Nicht jeder in unserer Partei, der anders denkt, ist ein Falschdenker. Auch der anders Denkende oder Redende besitzt ein Stück von der Wahrheit, mindestens.
– Es macht einen himmelweiten Unterschied, ob ich mich in einem Konflikt durchsetze oder ob ich überzeuge.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich sehe Streit als etwas sehr Wichtiges an; Streit muss sein – auch und gerade in der Linken – allerdings wünsche ich mir mehr Streit um Ideen, nicht um Einfälle. Und ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir uns eine ganz bestimmte Idee von den Konservativen und Liberalen zurückholen: Freiheit.
Ich sehe unsere Partei als Seismographen für gesellschaftliche Veränderungen. In einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist es ihre Aufgabe, Staat und Gesellschaft immer wieder daran zu erinnern, dass Freiheit zuerst die Freiheit von Angst ist. Die Freiheit von Angst ist keine Nuance, keine Spielart der Freiheit, die neben anderen Formen von Freiheit existiert – etwa der Reisefreiheit, der Pressefreiheit usw. Die Freiheit von der Angst ist die Voraussetzung für alle anderen Freiheiten (ausgenommen vielleicht die Religionsfreiheit, aber lassen wir das).
Ein Hartz IV-Empfänger lebt nicht nur in materiell sehr bedrückenden Verhältnissen. Diese Frauen und Männer am Existenzminimum leben in ständiger Angst, dass man ihnen das bisschen Stütze auch noch streicht, weil sie irgendwelchen Anforderungen nicht nachgekommen sind, nicht entsprechen. Diesen Menschen müssen wir die Angst nehmen.
„Furcht macht unmündig“, lesen wir bei Heino Falke, dem vielleicht wichtigsten Theologen in der DDR. „In der Angst um sein Leben macht der Mensch aus vergänglichen Dingen Götzen, die ihm Sicherheit geben sollen (…) Konsum, Verhaltensnormen und Ideologien werden zu Götzen der Angst. Sie sollen Leben garantieren, aber sie machen hörig. Wer Angst hat, ist beherrschbar, man kann ihn gefügig machen und benutzen.“[1]
Den Angstmachern müssen wir entgegentreten. Für die Freiheit von der Angst!
Ich bin mir sicher, dass wir im Ringen um mehr Freiheit in unserem Bundespräsidenten – dem „grün, links-konservativ Liberalen“, der wie kein anderer nach dem Fall der Mauer für die Bürgerrechte in der DDR gekämpft hat – einen treuen Verbündeten haben. Gauck, der nicht müde wird, von zwei Diktaturen in der deutschen Geschichte zu sprechen, weiß sicher auch, wohin soziale Unfreiheit und Angst führen können.
Die Freiheit aber in unserem Sinne ist eine völlig andere als jene, die uns täglich begegnet:
Freiheit als Beliebigkeit, als Alibi für soziale Verwerfungen. Die kapitalistische Freiheit ist die Freiheit voneinander, wir wollen die Freiheit füreinander. Voraussetzung dafür aber ist, wie gesagt, ein Leben ohne Angst. – Das heißt aber auch, dass wir selber den Leuten keine Angst machen dürfen!
Das war ja mal eine Erscheinung des Mittelalters: Wanderprediger, die über die Marktplätze gezogen sind und den Weltuntergang beschworen haben, der aber offensichtlich nie eingetreten

Ich will das jetzt gar nicht weiter ausführen, all die Bedrohungen durch den
Weltimperialismus und die Springerpresse oder auch durch Fremdarbeiter.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin nicht gegen Populismus. Im Gegenteil, ich bin sogar für noch mehr Populismus! Dem Volke aufs Maul schauen und die Menschen auch emotional anzusprechen, sie zu berühren, ihre Herzen zu gewinnen, ist eine hohe Kunst. In Berlin haben wir die Abgeordnetenhauswahl verloren, nicht so sehr wegen unserer Regierungspolitik, sondern weil die Linke die Menschen nicht mehr auf emotionaler Ebene erreicht. – Andere waren authentischer, hatten die besseren Plakate, die besseren Themen.
Anderes Beispiel: Die Grünen und ihre relativ hohen Umfragewerte.
Jeder weiß, dass die Grünen die Agenda 2010 mitbeschlossen haben. Sie tragen Verantwortung für Hartz IV. Die Grünen waren und sind bei allen Kriegen dabei, sozusagen an vorderster Front. Die Tür, die ein Joschka Fischer aufgestoßen hat, ist seither nie wieder geschlossen worden. Schon bei Erich Kästner lesen wir:  „Kennst du das Land wo die Kanonen blühn? (…) / Dort reift die Freiheit nicht, dort bleibt sie grün!“
Die Grünen in der Regierung haben ihren eigenen Mitgliedern verboten, am Anti-Castor-Protest teilzunehmen. Das alles ist bekannt, trotzdem werden die Grünen im linken Spektrum geortet und gewählt. Warum? Weil sie für ein bestimmtes Lebensgefühl stehen. Und da sage ich: Das können wir auch.
Wir verlieren Wahlen, nicht weil wir keine Antworten haben auf drängende Fragen, sondern ganz offensichtlich aus ästhetischen Gründen. Das eigentliche Problem liegt m. E. in der Performance, in der Darstellung. Aber auch das ist alles schon oft genug gesagt worden. Nur ist es so: Viele Menschen, die uns früher gewählt haben und uns heute vom Gefühl her ablehnen, vom HörenSagen oder auch vom Fernsehen oder aus sonst welchen Gründen, die lesen keine Parteiprogramme – diese Leute werden wir mit Flugblättern nicht erreichen.
Linke Politik muss populistisch sein. Wie im normalen Leben: Solange meine Freundin mich liebt, verzeiht sie mir, sieht sie über meine Schwächen und Fehler hinweg. Jedoch nur bis zu einer bestimmten Grenze.
Allerdings plädiere ich für einen neuen Populismus, für einen konstruktiven Populismus: Gute Politik wird nicht in Phone oder Dezibel gemessen. Gute Politik heißt: die richtigen Sachen zur richtigen Zeit zu sagen und zu tun, ganz einfach.
Als Linke müssen wir uns so langsam von den tradierten Erziehungsmethoden verabschieden. Es reicht nicht aus, eine Wahrheit nur zu kennen und diese einem Mantra gleich ständig zu wiederholen. Der Mensch ist – philosophisch gesehen – kein leeres Gefäß, in das jedermann seine Gedanken, Programme usw. füllen darf. Der Mensch ist ein vollkommenes Wesen. Als Erwachsener bedarf er keiner pädagogischen Hilfe, keiner Erziehung und auch keiner Belehrung.
– Was uns aber nicht davon abhalten darf, mit den Menschen mitzuleben, ihnen auf Augenhöhe immer wieder Angebote zu machen. Kurzum: Linke für andere zu sein.
Meine Utopie ist die: dass wir einander aushalten , der Einklang von Politik und Leben.
Deshalb: Lasst uns Populisten sein!
Allerdings verstehe ich unter einem modernen Populismus, dass die positiven
Handlungsoptionen deutlicher zur Sprache kommen. Es gibt immer Alternativen. Und die Benennung dieser Alternativen setzt selbstverständlich die Bereitschaft voraus, an deren Umsetzung mitzuwirken.
Dieser neue, positive Populismus befreit von der Angst. Er führt weg von billiger Totalkritik oder vom Zwang zur Anpassung und zeigt den Weg hin zur aktiven und mündigen Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse. Ich weiß, das klingt jetzt sehr dialektisch: Wir überwinden den Kapitalismus in dem wir ihn erst einmal verbessern, menschlicher machen. Schon im Alten Testament steht: „Ein Jegliches hat seine Zeit.“ Und die Zeit ist mit uns. Nur Geduld! Der Gedanke ist so neu nicht, hieß nur früher Wandel durch Annäherung

[1] Heino Falcke: „Christus befreit – darum Kirche für andere. Hauptvortrag bei der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR in Dresden 1972“. In: Heino Falcke: „Mit Gott Schritt halten“ , Wichernverlag Berlin 1986, S.14-15.

Karsten zieht zurück

Erklärung von Karsten Krampitz zum Rücktritt von der Kandidatur zum Bundesvorsitz der Linken:

Liebe Genossinnen und Genossen,
als ich am Dienstag, den 22. Mai, auf der Berliner Regionalkonferenz meine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Linken bekannt gegeben habe, wollte ich den Delegierten in Göttingen die Möglichkeit einer wirklichen Wahl eröffnen. Mittlerweile hat sich aber herausgestellt, dass dies gar nicht mehr notwendig ist. Mit der Kandidatur anderer Genossinnen und Genossen hat der Parteitag nun tatsächlich eine Wahl. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Partei nicht geschlossen hinter meiner Person steht. Das zu erwartende knappe Votum hätte die Gräben nur noch weiter vertieft.
Unter diesen Umständen nehme ich – schweren Herzens – von meiner Bewerbung Abstand und mache den Weg frei für eine Konsenslösung.
Karsten Krampitz,     Berlin, den 27. Mai 2012

Anhang: ungehaltene Rede zur Kandidatur für den Bundesvorsitz der Partei Die Linke beim 3. Parteitag Göttingen, 1. Tagung

„Linke für Andere“ (aus ExtraDrei)

Ein Beitrag von Karsten Krampitz (BO-Mitglied) zum Thema Linke und Obdachlose aus ExtraDrei (siehe auch Antrag der BO Valentin an den BV)

Gerade vor dem Hintergrund, dass demnächst am Bezirksamt in der Fröbelstra-
ße – auf Initiative unserer Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Pankow – das weltweit erste Denkmal für Obdachlose errichtet wird, eine Gedenkplatte für jene 70 Menschen, die dort im städtischen Asyl vor 100 Jahren umgekommen sind, stellt sich die Frage, wie sich unsere Partei nun noch stärker dieser Problematik annehmen kann
und zwar als konkretes Thema und nicht nur als Tagesordnungspunkt einerFraktionssitzung. Schließlich wollen wir uns ja nicht nur für diejenigen Obdachlosen
engagieren, die 1911 in der Fröbelstraße umgekommen sind.

Ab dem Januar 2013 wollen der Pankower und der Reinickendorfer Bezirksverband eine gemeinsame Geschäftsstelle beziehen. Dort soll nach unserer Idee in den
Wintermonaten ein Nachtcafé für Obdachlose arbeiten. Hintergrund ist,
dass das »Nachtasyl Gorki« am Bahnhof Lichtenberg aufgrund ausbleibender finanzieller Unterstützung für sich keine Zukunft mehr sieht. Wir wollen dem Nachtasyl eine neue Bleibe bieten und dabei helfen, dass andere helfen können.
Innerhalb der Berliner Nachtcafé-Kette möchten wir als Partei eine Nacht pro
Woche diesem Projekt Zuflucht geben. In einem der Räume werden Matten ausgelegt, einschließlich Decken, Kissen und Bettwäsche, während nebenan Abendbrot und Gemeinschaft angeboten wird.
Schon bald werden von dem Essensangebot auch sozial Benachteiligte aus
der Nachbarschaft Gebrauch machen, so dass die neue Geschäftsstelle mit
der Zeit zu einem Treffpunkt, einer Anlaufstelle für mittellose Menschen wird.
Uns geht es bei diesem Projekt um den Einklang von Politik und Lebenswelt, um einen konkreten Beitrag für eine solidarische Gesellschaft.

Uns geht es darum, wieder Linke für Andere zu sein.                                        

Euroknatsch – Ein thematischer Abend von Luise und Valentin

Christian nannte sein erstelltes Dokument Euroknatsch, es ist die Zusammenfassung seines Vortrages am 19.02. in der Geschäftsstelle zur gemeinsamen BO-Sitzung von Luise und Valentin zum Thema Eurokrise. Die anschließende Diskussion zeigte das hohe Interesse an dem Thema. Gerne öfter auf diesem Niveau…Raik

https://bovalentin.files.wordpress.com/2012/01/euroknatsch.pdf

 

LINKECrossover – Neue Formen der Verständigung für unsere Partei im Bezirk Pankow

Dokumentation
07. November, 19:00 Uhr – 22:30 Uhr, Geschäftsstelle Die Linke in der Kopenhagener Straße 76
Anwesend: Christian B., Sören B., Vera B., Thomas G., Dominik J., Sabine K., Katrin M., Sascha S., Daniela S., Markus S., Raik W., Jörn W.
Protokoll: Dominik J.

Tagesordnung:
1. Begrüßung
2. Vorstellungsrunde
3. Gruppenarbeit
4. Vorstellung Gruppenergebnisse
5. Ausklang+Feedback
6. Treffen im Mitropa-Wagon

Zu 1. Begrüßung:
Die Teilnehmer werden herzlich begrüßt und in den Ablauf des Treffens eingeführt. Das Format „Sonderzug Pankow“ wird erläutert, in dem Gruppenarbeit (Wagons) mit kreativen Methoden vorgesehen sind. Folgende Fragestellungen wurden durch das Vorbereitungsteam als Vorschläge formuliert und von den Teilnehmern ohne Ergänzungen/ Änderungen angenommen:

Wagon 1:
“Kaderbildung“ in unserer Partei – wie finden wir Genoss_innen für unsere Pöstchen und Posten. Wie läuft dieser Prozess ab?
– Versucht zunächst den IST-Zustand zu umreißen.
– Wie könnte dieser Prozess anders laufen?
– Wie sollte der Prozess in Zukunft laufen, gibt es konkrete Veränderungswünsche die der Wagon teilt?

Wagon 2:
Welche Hierarchien finden wir in unserer Partei vor? Begegnen wir uns alle immer auf Augenhöhe? Gibt es eine „in crowd“ in unserer Partei, gehöre ich dazu? Werde ich respektiert? Sind wir demokratisch im Umgang miteinander?
– Versucht zunächst den IST-Zustand zu umreißen.
– Wie könnten Hierarchien anders funktionieren?
– Welche konkreten Veränderungsmöglichkeiten sind gewünscht?

Wagon 3:
Wie findet in unserer Partei – im Bezirk – darüber hinaus die politische Meinungsbildung statt? Auf der HV, auf dem Basistag, in den BO, zuhause, im ICE?
– Versucht zunächst den IST-Zustand zu umreißen.
– Wie kann politische Meinungsbildung anders funktionieren?
– Welche konkreten Veränderungsmöglichkeiten auf bezirklicher Ebene sind vom
Wagon gewünscht?

Zu 2. Vorstellungsrunde
Die Vorstellungsrunde wurde durch kurze Partnerinterviews vorbereitet, in der jeder seinem „Partner“ die Fragen „Warum bist Du heute hier?“,“Welches Buch liest Du gerade?“,“Warst Du vor der LINKEN in einer Partei/Organisation? Bist Du es noch immer?“ und „Wie zufrieden bist Du mit der Gesamtsituation der Pankower LINKEN?
(Schulnoten)“ stellt und beantwortet. Die „Partner“ stellen sich gegenseitig den anderen Teilnehmern vor.
Die Antworten werden in der Dokumentation nicht dargestellt.

Zu 3./ 4. Gruppenarbeit & Vorstellung Gruppenergebnisse
Wagon 1:
“Kaderbildung“ in unserer Partei – wie finden wir Genoss_innen für unsere Pöstchen und Posten. Wie läuft dieser Prozess ab?
Wagon 1 listete bestehende Möglichkeiten der bezirklichen Ämter und Mandate auf: Bezirksvorstand, Fraktion in der BVV, Fraktion im Abgeordnetenhaus, Delegierte. Grundsätzlich wurde ein „Nachwuchsproblem“ für die Besetzung
von Ämtern und Mandaten formuliert. Insbesondere zu wenige Frauen und zu wenig junge Mitglieder verschärfen die
Situation. Auch die Punkte „Was kann man auf dem „Pöstchen“ bewegen?“ und „Viel Arbeit – wenig Anerkennung“
tragen eher zur Abschreckung bei sich in Amt oder Mandat zu engagieren.
Interessierte/favorisierte Mitglieder seien besser auf Aufgaben im Amt oder Mandat vorzubereiten, es gebe aber
keine adäquate „Personalentwicklung“. Für die Zukunft müsse man sich ernsthafte Gedanken machen, „Wo sich
junge GenossInnen einbringen können“. „Angebote für Neumitglieder“ sollten verstärkt entwickelt werden.
Gerade für Neumitglieder wäre ein „Mentoringprogramm zu entwickeln“. Das bestehende Neumitgliederseminar
sei zu unterstützen und zu verstärken. Im Bereich der Bildung müsse auch die Zusammenarbeit mit der Hellen Panke verstärkt werden.
Abbildung 1: Arbeitsergebnis aus Wagon 1

Wagon 2:
Welche Hierarchien finden wir in unserer Partei vor? Begegnen wir uns alle immer auf Augenhöhe? Gibt es eine „in crowd“ in unserer Partei, gehöre ich dazu? Werde ich respektiert? Sind wir demokratisch im Umgang miteinander?
Wagon 2 unterteilte bestehende Hierarchien in „demokratisch legitimierte“ (z.B. Vorstand) und „informelle
Hierarchien“ („informelle ‚Wortführer’“ und „Strippenzieher“). Der demokratisch legitimierte Vorstand wurde
charakterisiert mit Begriffspaaren wie „Informationsvorteil durch Positionen“ gegenüber den Mitgliedern und „zu viele Vermutungen, zu wenig Wissen“ aufgrund mangelnder „Zeit“ für den Aufgabenumfang. Grundsätzlich war die
Gruppe der Auffassung, dass innerhalb der Partei „unterschiedliche Hierarchieerwartungen von Mitgliedern“ bzgl. des Vorstands bestehen.
Fortschritte erhofft man sich insbesondere durch „Verbesserung des Informationsflusses“, der Einführung eines Mentorings (Begleitung zur Vorbereitung auf Amt und Mandat), im Aufgaben delegieren und in der Multiplikation neuer Methoden, wie z. B. Workshops. Vorgeschlagen wurde auch ein Rotationsprinzip in Amt und Mandat. Genossen in herausragender Position sollen „Machtbewusstsein“ entwickeln, d. h. nicht von oben herab agieren sondern wie
man so schön sagt: Auf dem Teppich bleiben und sich der Verantwortung der eigenen Macht bewusst sein.
Das Rotationsprinzip „verlangsamt Prozesse“ und birgt den Zwang „mehr Menschen in Verantwortungspositionen“ zu bringen. Informationsvorsprünge würden eingeebnet und ein „Frühwarnsystem“ durch die Verteilung von Wissen und Verantwortung verstärkt (Wirkt gegen In Crowds). Wobei auch hierzu die „interne Kommunikation optimiert“
werden muss.
Die Fragen „Kann man informelle Hierarchien verhindern?“ und „Will man informelle Hierarchien überhaupt verhindern?“ konnten in der Diskussion nicht zu einem vorläufigen Ergebnis geführt werden.
Abbildung 2: Arbeitsergebnis aus Wagon 2

Wagon 3:
Wie findet in unserer Partei – im Bezirk – darüber hinaus die politische Meinungsbildung statt? Auf der HV, auf dem Basistag, in den BO, zuhause, im ICE? Die Gruppe hielt fest: Meinungsbildung findet statt „Wo Dialog Raum gegeben wird“. Insbesondere der „Austausch verschiedener Meinungen“ charakterisiert den Prozess der
Meinungsbildung, was „kaum auf HV + Basistag“ stattfindet, eher „teilweise in BOen“. Auf dem Basistag und der Hauptversammlung ginge es mehr um die „Darstellung von Meinungen, die nicht in den Dialog treten“. „Was stört: lange Monologe“, so die Teilnehmer des Wagon 3.
Eine Entwicklung zur politischen Meinungsbildung könne nur stattfinden, wenn der/die einzelne Genosse_in die Möglichkeit findet, selbst zu sprechen, zuzuhören und zu diskutieren. Der Basistag, der ggf. von mehr als 100 Genossen besucht ist, bräuchte ein „anderes Format“ wie z. B. „Worldcafè“ in dem auch die Mischung der BO-Vertreter ihre Diskussion „hierarchiefreier gestalten“ könnten. Die Zielsetzungen von Basistagen und Hauptversammlungen müssten somit in Punkto „Lernorientierung“ und „Erfolgserlebnisse“ für die/den einzelne/n Genossen_In verändert werden. Handlungsorientierte bzw. zielorientierte Herangehensweisen würden zur Effizienz beitragen.
Abbildung 3: Arbeitsergebnis aus Wagon 3

Zu 5. Ausklang + Feedback
Die Gruppenarbeiterergebnisse (Plakate aus 4.) werden auf der Hauptversammlung Die Linke Pankow am 12.11.11 ausgehängt. Das Plakat zu Vorstellung der Teilnehmer bleibt intern.
Die Teilnehmer planen mehrheitlich, sich an der Vorbereitung eines Basistags im 1. Quartal 2012 zu beteiligen. Dazu trifft sich LINKECrossover am 5.12.11 erneut, um die Konzeption, die mit dem neuen Bezirksvorstand abgestimmt werden soll, zu erstellen. Es wird ein Basistag, z. B. im Format „Worldcafé“, geplant. Genauer Termin, Themen, professionelle Durchführung, Formate, Verantwortlichkeiten und Finanzierung (etc.) sollen
im Weiteren diskutiert werden.
Das Treffen am 5.12.11 soll vorbereitet werden, dazu wird ein Termin über doodle.de abgestimmt (Markus??).
Die Teilnehmer bedanken sich für die Vorbereitung der gelungenen Veranstaltung in einem für den Bezirksverband neuem Format. Einhellig wurde es begrüßt, wenn sich zukünftig auch „betagtere“ Genossinnen und Genossen beteiligen würden. Konkrete Ansprachen und Hinweise sollen an mögliche Interessenten herangetragen werden.

Zu 6. Treffen im Mitropa-Wagon
Im Mitropa-Wagon „Jala Jala“ gab es schließlich einen feucht-fröhlichen Abschluss mit weiteren Visionen sowie Klatsch und Tratsch zur Partei.