Meine 5 Jahre mit LINKS

von Raik

Wir, mein Freund und ich, saßen irgendwann in der Greifswalder in der Küche und wussten mit unseren Unmut nicht wohin. Die politische Lage war auch schon 2009 prekär und wir mussten uns Gedanken machen, wie wir unseren Frust auf die Welt kanalisieren und wo wir verändern und gestalten können. Da fiel uns nur ein Arrangement in Parteien ein. Die meisten Parteien fielen wegen mangelnder Schnittmengen durch, also blieb am Ende nur die LINKE. Gesagt, getan, ab März war ich dann Mitglied. Ortruth in der Kopenhagener kassierte sofort die Gebühr der ersten Monate.

Zunächst gründeten wir eine eigene BO, die, entgegen der üblichen Praxis, auf Selbstorganisation und -ermächtigung setzte. Daraus ergaben sich etliche Projekte, die das Parteileben in Pankow belebte und neue Impulse gab. Die Emanzipatorische Linke war und ist bis heute ideologisch ein Zuhause innerhalb der Partei geworden. Sie ebnete den Weg für neue Ideen und deren Umsetzung.

Das Wichtigste aber waren die Menschen, die einen durch diese politische Tätigkeit als Freundeskreis ins eigene Leben gespült worden sind. Diese 5 Jahre haben meinen Freundeskreis auf so angenehme Weise erweitert, dass sich meine bisherige Mitgliedschaft schon in dieser Hinsicht gelohnt hat. Nichts kann dieses soziale Potenzial und diese menschlichen Kontakte irgendwie ersetzen.

Wir haben uns um Obdachlose gekümmert, wollten den ehrwürdigen Basistag umgestalten, haben totgeglaubte Strömungen zu neuem Leben erweckt, sind zwischendurch auf Bildungsreise an den Werbellinsee gewesen und blieben mit einem Stammtisch eine politische Konstante im Bezirk. Vieles hat Spaß und Lust auf mehr gemacht.

Manches war aber auch abtörnend. Wenn ich an Veranstaltungen von BAG Linke Queer oder Ema.Li denke, kam mir öfters die Frage auf, mit welchen Idioten wir es innerparteilich eigentlich aushalten müssen. Wer da so alles in Funktionsbereichen angeschwemmt wurde, war nicht von schlechten Eltern. Der Umgang und die unfreiwillige Begegnung konnte durchaus zu einer echten Herausforderung, manchmal sogar zur Prüfung werden. Ein konsequenter Fatalismus wurde mitunter in solchen Situationen zur täglichen Routine.

Man quält sich ja immer mit der eigenen Partei, manche masochistische Sitzung hätte ich mir aber durchaus ersparen können. Dennoch haben sie mich fit für neue Aufgaben gemacht.

Zur Gründung einer Anwohnerinitiative besaß ich bereits genügend Vorkenntnisse, um ihr, natürlich mit einigen Mitstreitern, eine gewisse Struktur und Zielorientierung zu verleihen. Moderation und Protokolle waren keine Fremdwörter mehr. Auch habe ich gelernt, zuzuhören, Prioritäten zu setzen, Webauftritte zu gestalten und, vor allen Dingen, Menschen auf ihren Weg zur Selbstermächtigung zu begleiten und ihnen eine Stimme zu geben. Das ist mitunter sehr mühselig, aber es lohnt sich immer.

Für mich und meiner politischen und ehrenamtlichen Tätigkeit ist die Mitgliedschaft in der Partei DIE LINKE kein Hindernis, sondern Inspiration für Neues. Bei aller Ambivalenz und Quälerei bleibt sie ein wichtiger Teil meines politischen Selbstverständnisses. Sie und die Gesellschaft transformatorisch zu ändern, ist eine der vornehmsten Aufgaben eines aufgeklärten Genossen, wie ich es weiterhin sein will.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s