Die APO legt wieder Bomben

Das war ja zu erwarten. Groß hatten sie es über die letzten Tage angekündigt. Die „Jungen Liberalen“ in Nordberlin, der Jugendverband der FDP in Pankow und Reinickendorf, wollten heute eigentlich das Thälmann-Denkmal am gleichnamigen Park und Wohngebiet sprengen. Symbolisch natürlich, mit Sprengstoffattrappen. Um 14 Uhr sollte es losgehen. Allerdings waren die jungen Leistungsträger aus der Außerparlamentarischen Opposition schon um kurz nach halb zwei wieder verschwunden.DSC02890

Trotzdem hatte die ganze Show einen grandiosen Unterhaltungscharakter. Wenigstens dafür gebührt den Freunden des Leistungsprinzips großer Dank. Zur „Verteidigung“ des Thälmann-Klotzes hatten sich trotz der ausgefallen Sprengaktion alle möglichen Leute eingefunden. Der französische Sozialist Jean Jaurès hatte einmal gesagt – so oder so ähnlich – dass es für einen Sozialisten darum ginge, nicht die Asche sondern die Flamme der Tradition am Leben zu halten. Am Samstag Mittag hatte sich zumindest vor dem Thälmann-Denkmal die Asche versammelt: SDAJ, DKP, Fähnchen von nicht identifizierbaren Grüppchen mit den bekannten Konterfeis darauf, Leute mit DDR-Flaggen, Initiative zum Wiederaufbau der drölfzigsten Internationale usw. usf. Komplett gefehlt haben diesmal trotzkistische Freikirchen, kein marx21 alias Linksruck, keine SAV. Kein Wunder, Thälmann war schließlich Stalinist. Das wiederum hätte ganz bestimmt die DKP-Zeitung „junge Welt“ nicht davon abgehalten, dort ebenso aufzukreuzen. Aber auch die war nicht zu sehen. Lustig war es trotzdem, auch wenn die zahlreichen Campingtische – das Standardmöbel der Revolution – diesmal fehlten und die Avantgarde daher auch keine Schriften zur Bekehrung unter die bildungsferne Arbeiterklasse bringen konnte. Leider war auch eine Linke-Fahne im Meer des Anachronismus zu sehen. Der befürchtete wütende Protest beige-gekleideter Rentner blieb aber aus.DSC02889

Wie schon erwähnt fehlte aber auch der Gegner. Nachfragen ergaben, dass sich die jungen Neoliberalen in das Dickicht des Thälmannparks geschlagen hatten. Aber auch dort war, trotz ausgiebiger Suche, nichts zu finden. Stattdessen nur eine Handvoll Einwohner der Gegend, die den Rückzug des Staates aus der Grünfläche mit eigener Arbeitskraft versuchten auszugleichen. Selbst im örtlichen Trinkertreff waren keine gebügelten Poloshirts und hellblauen Hemden zu sehen. Auch die befreundeten Genossen von der Partei „DIE PARTEI“ warteten auf die Spaßpartei, mit der sie seit Jahren jegliche Koalition kategorisch ausschließen.

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Überhaupt stellt sich die Frage, was die FDP eigentlich so treibt. Nach dem hochkantigen Rausschmiss aus dem Abgeordnetenhaus und der Pankower BVV existiert die Splitterpartei scheinbar gar nicht mehr. Auch ihr Pankower Bundestagsabgeordneter Martin Lindner scheint förmlich um eine weitere Abwahl zu betteln. Während der Wählerschaft im Drei-Minuten-Takt Flugzeuge über die Köpfe donnern, macht sich Lindner für die Offenhaltung des Flughafen Tegels stark. Das verstehe wer will.

Vielleicht hat es aber auch einen Grund, dass die plötzliche Wiederbelebung der dahinsiechenden Splitterpartei gerade am Thälmannpark stattfindet. Das Gelände steht ganz oben auf der Speisekarte diverser Immobilienspekulanten – immerhin eine treue Wählergruppe der FDP. Ganz vorne dabei ist Willo Göpel, der so gerne dort, wo jetzt der Thälmann-Klotz steht, einen weiteren seiner hässlichen monotonen Luxusbauten hinstellen würde. Wo allerdings Mövenpick noch eine Regierungspartei mit Gesetzgebungskompetenz erfolgreich mit Geldern versorgte, dürfte der Kauf einer unbedeutenden Kleinstpartei ohne parlamentarischen Einfluss eher unwahrscheinlich sein.

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