BO-Valentin-Mitglied Karsten Krampitz kandidiert als Parteivorsitzender

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Dokument der Geschichte: Karstens Kotztütenmanuskript.

Gestern, am 22. Mai, fand eine Regionalkonferenz für die Landesverbände Berlin und Brandenburg statt, auf der sich vor allem die Kandidatinnen und Kandidaten für den Parteivorsitz vorstellen sollten. Nur Minuten vor Beginn der Konferenz sorgte allerdings schon eine bombenartige Nachricht für allgemeine Erleichterung, nämlich die Mitteilung, dass Oskar Lafontaine nun endgültig (?) aus dem Ringelpietz um den Parteivorsitz aussteigt. Später am Abend machte dann auch noch ein weiterer Befreiungsschlag die Runde, wonach sich Katharina Schwabedissen und Katja Kipping für die Kandidatur in einer eigenständigen weiblichen Doppelspitze entschieden haben, kombiniert mit hoffnungsfrohen Personalvorschlägen für den Parteivorstand, etwa Jan van Aken. Die Perspektive eines Generationswechsels, hin zu Menschen, die weder sozialdemokratische Urzeitpolitik verfolgen, noch im langweiligen und falschen Fundi-Realo-Schema verhaftet sind, ist durchaus reizvoll. Es geht doch immer den Weg aller Tragödien: Auf die Hybris folgt der Fall und in der Linken scheint sie unvermeidlicher Teil der Katharsis zu sein. Doch auch die BO Valentin trägt dazu bei, dass sich langsam alles in Wohlgefallen auflöst. Unser BO-Mitglied und Ingeborg-Bachmann-Publikumspreisträger Karsten Krampitz verkündete gestern ebenfalls seine Kandidatur für das Vorsitzendenamt. Da Karsten kurzfristig von einer Lesereise aus Klagenfurt eintraf, blieb nur wenig Zeit und die Rede musste hastig mit einem geborgten Kugelschreiber auf der Kotztüte einer bekannten deutschen Billigfluggesellschaft aufgeschrieben werden.

Karstens Redebeitrag stach aus den anderen hervor: Von der Rede Sabine Zimmermannsist nicht viel hängen geblieben. Dietmar Bartsch redete immerhin für eine Mitgliederpartei, Sahra Wagenknecht betrieb Selbstagitation, nannte Programmpunkte, über die keinerlei Dissens besteht und erzeugte so frenetischen Beifall und vor allem den Eindruck, es gäbe Genossinnen und Genossen, die etwas gegen Mindestlohn, die Abschaffung von Hartz IV oder den Frieden hätten. Das alte Spiel eben, das bei vielen noch immer zieht. Landesvorsitzender Klaus Lederer mahnte neue Ideen und ein Ende der Selbstzerstörung an, worauf der Bundesvorsitzende Klaus Ernst direkt einging und die Selbstzerstörung mit wahnwitzigen Denunziationen fortführte und ein weiteres Mal zeigte, was er ist bzw. war: eine grandiose Fehlbesetzung mit intellektuellen Ausbaumöglichkeiten.

Karsten hingegen versuchte Themen zu setzen. Und das herausragende davon war Freiheit. Wir müssen diesen Begriff von den Konservativen und Neoliberalen zurückerobern und ihn aus seiner Definitionsfalle herausholen, dass er ausschließlich auf die Freiheit des freien Fuchses im freien Hühnerstall beschränkt ist. Freiheit bedeutet auch Freiheit von Angst, etwa der Angst vor dem Jobcenter oder des Verlustes der Lebensgrundlage durch Verlust der Arbeit. Während die Piraten recht erfolgreich den Freiheitsbegriff in die realen Lebensverhältnisse transformierten, gefiel sich hingegen Klaus Ernst noch immer mit der Behauptung, dass es die Hauptaufgabe einer linken Partei sei, dafür zu sorgen, dass die arbeitende Bevölkerung ein auskömmliches Einkommen habe. Nun hat garantiert niemand in der Linken etwas gegen ein auskömmliches Einkommen für Lohnarbeitende, aber wie sieht es denn mit denen aus, die nicht lohnarbeiten, die keine Stelle finden oder die unbezahlte Arbeit verrichten (in Deutschland ist die Zahl der unbezahlten Arbeitsstunden übrigens höher als die der bezahlten)? Wie das gerade in Berlin ankommt, wo Ernsts fordistische Museumswelt besonders deutlich vorbei ist, kann man sich vorstellen. Ein Kapitän, der Kurs auf den Eisberg hält und dem Maschinenraum auch noch anweist, die Motoren auf Höchstleistung zu fahren. Auch deswegen kandidiert Karsten, um zu zeigen, dass es in der zweiten, dritten und den anderen Reihen der Partei viele fähige Menschen gibt, die in den altertümlichen Hinterzimmerrunden der männlichen Linkspartei-Prominenz komplett untergehen und damit auch jede Menge Potential abhanden kommt. Insofern sollte auch ein Zeichen gesetzt werden, gegen eine Parteistruktur, die heute nur noch Gelächter und ausbleibende Wahlstimmen hervorruft, in der Gegenkandidaturen Kampfkandidaturen sind und Posten ausschließlich in „gewissen Kreisen“ ausgepokert werden, während die große Masse nicht einmal als Zaungast zugelassen ist.

(jw)

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